Warum wir alles verdrängen, was uns Angst macht – die Podcastfolge zum Nachlesen
Tod, Abschied, Vergänglichkeit: Wir schieben weg, was uns Angst macht. Gedanken aus meiner Podcastfolge „Warum wir alles verdrängen, was uns Angst macht“.
„Darüber reden wir, wenn es so weit ist.“ Diesen Satz höre ich oft – und meistens ist es dann zu spät. In meiner Podcastfolge „Warum wir alles verdrängen, was uns Angst macht“ spreche ich über einen sehr menschlichen Reflex: Wir schieben weg, was uns bedroht. Und ausgerechnet dadurch wird es größer.
Verdrängung ist kein Versagen
Zuerst das Wichtigste: Verdrängung ist keine Charakterschwäche. Sie ist ein Schutzmechanismus. Unser Nervensystem ist darauf gebaut, uns handlungsfähig zu halten. Wenn etwas zu groß, zu endgültig, zu bedrohlich wirkt, legt der Kopf einen Vorhang davor. Das ist sinnvoll – für eine Weile. Problematisch wird es erst, wenn der Vorhang zum Dauerzustand wird.
Der Tod ist das größte Tabu geblieben
Über Geld reden wir inzwischen. Über Therapie auch. Über Sterben immer noch kaum. Viele Familien haben nie darüber gesprochen, was sich der Vater, die Mutter, der Partner für den eigenen Abschied wünscht. Welche Musik. Erdbestattung oder Urne. Trauerfeier mit hundert Menschen oder im engsten Kreis.
Und dann sitzen Angehörige bei mir am Tisch, wenige Tage nach dem Tod, und müssen raten. Sie treffen Entscheidungen für einen Menschen, den sie geliebt haben, und wissen nicht, ob es in seinem Sinne ist. Zu der Trauer kommt Unsicherheit. Manchmal Streit. Fast immer Schuldgefühle.
Woran Sie merken, dass Sie verdrängen
- Sie schieben Gespräche über Vorsorge oder Testament seit Jahren vor sich her.
- Sie wechseln das Thema, wenn jemand vom Sterben spricht.
- Sie funktionieren nach einem Verlust auffällig gut – und wundern sich, dass Sie nichts fühlen.
- Sie werden bei Kleinigkeiten unverhältnismäßig wütend oder erschöpft.
- Der Körper meldet sich: Schlafprobleme, Enge in der Brust, ständige Anspannung.
Verdrängtes verschwindet nicht. Es sucht sich einen anderen Ausgang.
Warum Hinschauen leichter ist als Wegschauen
Das klingt paradox, aber ich erlebe es immer wieder: Menschen, die einmal ausgesprochen haben, wovor sie Angst haben, wirken danach ruhiger. Nicht, weil das Problem gelöst wäre – sondern weil die Energie, die das Wegdrücken kostet, endlich frei wird. Angst, die benannt ist, hat eine Form. Und alles, was eine Form hat, kann man anschauen.
Genau hier setzt meine Arbeit an. In der Begleitung – auch mit Hypnose und transformativen Methoden – geht es nie darum, jemanden zu etwas zu zwingen. Es geht darum, einen Raum zu schaffen, in dem das Unaussprechliche zum ersten Mal Platz hat.
Drei kleine Schritte aus der Verdrängung
1. Ein Satz statt einer großen Aussprache. Sie müssen nicht das ganze Thema in einem Abend klären. „Ich würde gern irgendwann mit dir darüber sprechen, was du dir mal wünschst.“ Das reicht als Anfang.
2. Schreiben statt sagen. Wenn Reden zu schwer ist: notieren Sie für sich, was Sie sich für Ihren eigenen Abschied wünschen. Musik, Ort, Menschen, Ton. Diese Liste ist später ein Geschenk an Ihre Familie.
3. Den Körper einbeziehen. Angst sitzt selten nur im Kopf. Ein Spaziergang, bewusstes Atmen, eine Hand auf dem Brustkorb – oft löst sich dabei mehr als in stundenlangem Nachdenken.
Was ich mir wünsche
Dass wir früher anfangen. Nicht, weil das Leben dadurch schwerer wird – sondern leichter. Wer einmal ausgesprochen hat, was er sich wünscht, lebt anders. Bewusster. Und die, die zurückbleiben, müssen nicht raten.
Hören Sie gern rein
Die ganze Folge finden Sie auf Spotify und überall dort, wo es Podcasts gibt. Und wenn Sie merken, dass Sie selbst gerade etwas wegschieben, das eigentlich Aufmerksamkeit braucht: Melden Sie sich. Ein erstes Gespräch ist unverbindlich – und Sie bestimmen, wie weit wir gehen.